Factoring
Verkauf von offenen Kundenforderungen an eine Factoring-Gesellschaft zur schnellen Liquiditätsbeschaffung.
Definition und Ablauf
Factoring ist eine Form der kurzfristigen Umsatzfinanzierung. Ein Unternehmen (z.B. die Lernleicht GmbH) verkauft seine offenen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an ein spezialisiertes Finanzierungsinstitut, den sogenannten Factor. Anstatt 30 oder 60 Tage darauf zu warten, dass der Kunde seine Rechnung bezahlt, erhält das Unternehmen vom Factor sofort (meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden) einen Großteil der Rechnungssumme (ca. 80-90%) als Vorschuss ausgezahlt. Der Restbetrag wird abzüglich einer Factoringgebühr und Zinsen ausgezahlt, sobald der Kunde die Rechnung beim Factor beglichen hat.
Die drei Funktionen des Factorings
In der IHK-Prüfung wird sehr häufig nach den Funktionen des echten Factorings gefragt. Diese sind:
- Finanzierungsfunktion: Das Unternehmen erhält sofortige Liquidität und kann damit eigene Rechnungen bezahlen, Skonto bei Lieferanten nutzen oder investieren.
- Delkrederefunktion: Beim "echten Factoring" übernimmt der Factor das Ausfallrisiko. Geht der Kunde (Debitor) in die Insolvenz und kann die Rechnung nicht bezahlen, ist das der Verlust des Factors. Das Unternehmen muss den Vorschuss nicht zurückzahlen.
- Dienstleistungsfunktion: Der Factor übernimmt oft das komplette Debitorenmanagement, inklusive Rechnungsversand, Buchhaltung und das oft lästige Mahnwesen.
Praxisbeispiel im Büromanagement
Die Lernleicht GmbH hat einen Großauftrag für die MusterBau AG abgeschlossen. Die Rechnung lautet über 50.000 Euro, zahlbar in 60 Tagen. Die Lernleicht GmbH muss aber am Monatsende Gehälter zahlen. Sie verkauft die Forderung an einen Factor. Dieser überweist sofort 45.000 Euro (90%). Die MusterBau AG wird darüber informiert und zahlt nach 60 Tagen die 50.000 Euro direkt an den Factor. Der Factor behält 1.000 Euro als Gebühr und überweist die restlichen 4.000 Euro an die Lernleicht GmbH.
Prüfungsrelevanz
Factoring ist ein klassisches Thema im Bereich Liquiditätssicherung. Wichtig ist die Abgrenzung zum normalen Bankkredit: Factoring erfordert keine dinglichen Sicherheiten (wie Grundschulden), da die Forderung selbst die Sicherheit darstellt. Zudem verbessert Factoring die Eigenkapitalquote in der Bilanz, da die Bilanzsumme durch den Abbau von Forderungen und die Tilgung von Verbindlichkeiten schrumpft (Bilanzverkürzung).
Passender Kurs
Lernfeld 9 des Rahmenlehrplans Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement. Liquidität sichern und Finanzierung vorbereiten.
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