Indirekte Rede
Grammatikalische Form zur distanzierten Wiedergabe von Aussagen Dritter, meist unter Verwendung des Konjunktiv I.
Definition
Die indirekte Rede ist ein grammatikalisches Mittel, um die Äußerung einer anderen Person wiederzugeben, ohne sie wörtlich zu zitieren. Im Deutschen wird für die indirekte Rede standardmäßig der Konjunktiv I verwendet. Sie signalisiert dem Leser: "Ich (der Schreiber) gebe hier nur wieder, was jemand anderes gesagt hat. Ich mache mir diese Aussage nicht zu eigen und bewerte sie nicht."
Bedeutung im Büromanagement
In der professionellen Geschäftskorrespondenz, insbesondere beim Verfassen von Protokollen und Berichten, ist die Beherrschung der indirekten Rede unerlässlich. Ein Protokollant muss objektiv bleiben. Wenn in einer Sitzung jemand sagt: "Die neue Software ist eine Katastrophe!", darf der Protokollant das nicht als Tatsache ins Protokoll schreiben. Er muss die indirekte Rede nutzen, um die Aussage zu distanzieren.
Praxisbeispiel der Lernleicht GmbH
In einem Meeting beschwert sich der Personalleiter Herr Braun: "Wir finden keine guten Bewerber mehr. Die Gehaltsvorstellungen sind völlig überzogen!"
Laura Müller schreibt das Protokoll. Sie formuliert dies in die indirekte Rede um:
"Herr Braun beklagte, das Unternehmen finde keine guten Bewerber mehr. Die Gehaltsvorstellungen seien völlig überzogen."
Hier nutzt Laura korrekt den Konjunktiv I ("finde" statt "findet", "seien" statt "sind").
Prüfungsrelevanz für die IHK
Die korrekte Anwendung des Konjunktiv I ist ein klassisches Prüfungsthema im Bereich der schriftlichen Kommunikation. Oft gibt es Multiple-Choice-Fragen, bei denen aus vier Sätzen derjenige mit der grammatikalisch korrekten indirekten Rede ausgewählt werden muss. Eine wichtige Regel für die Prüfung: Wenn der Konjunktiv I mit dem normalen Indikativ (Wirklichkeitsform) identisch ist, muss auf den Konjunktiv II oder die Ersatzform mit "würde" ausgewichen werden, damit die indirekte Rede erkennbar bleibt.
Häufige Fehlerquellen
- Verwendung von "dass" mit Indikativ: Oft wird umgangssprachlich formuliert: "Er sagte, dass die Kosten zu hoch sind." Professioneller und in Prüfungen gefordert ist der konjunktivische Satz ohne "dass": "Er sagte, die Kosten seien zu hoch."
- Verwechslung mit Konjunktiv II: Der Konjunktiv II ("wäre", "hätte") drückt Irrealität oder Zweifel aus. Er sollte in Protokollen nur als Ersatzform genutzt werden, wenn der Konjunktiv I nicht eindeutig ist. Standard ist der Konjunktiv I ("sei", "habe").
Passender Kurs
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