Niveau: Einfach Standard Studienbrücke

Preisuntergrenze

Der absolute Mindestpreis, den ein Unternehmen für ein Produkt verlangen darf, um bestimmte Kosten zu decken.

Definition und strategische Einordnung

Die Preisuntergrenze markiert in der Preispolitik eines Unternehmens den Verkaufspreis, der im äußersten Notfall nicht unterschritten werden darf. Sie dient als Warnsignal für den Vertrieb und das Management. In der Betriebswirtschaftslehre und speziell in der Teilkostenrechnung unterscheidet man zwingend zwischen zwei Arten von Preisuntergrenzen: der kurzfristigen (absoluten) und der langfristigen (relativen) Preisuntergrenze. Diese Unterscheidung ist überlebenswichtig, da ein dauerhaftes Agieren an der kurzfristigen Grenze unweigerlich in die Insolvenz führt.

Die zwei Arten der Preisuntergrenze

  • Kurzfristige (absolute) Preisuntergrenze: Diese liegt exakt in Höhe der variablen Stückkosten (kv). Bei diesem Preis ist der Stückdeckungsbeitrag genau null. Das Unternehmen macht mit jedem verkauften Stück einen Verlust in Höhe der fixen Stückkosten. Warum macht man das? Um in Krisenzeiten Kunden nicht an die Konkurrenz zu verlieren, um Lagerbestände abzubauen (die sonst verderben oder veralten) oder um die Belegschaft zu beschäftigen. Es ist eine reine Notmaßnahme.
  • Langfristige (relative) Preisuntergrenze: Diese liegt in Höhe der Selbstkosten (kv + kf). Bei diesem Preis sind alle Kosten (variabel und fix) gedeckt. Das Unternehmen macht weder Gewinn noch Verlust (Break-Even). Nur Preise, die dauerhaft über dieser Grenze liegen, sichern das Überleben und Wachstum des Unternehmens.

Praxisbeispiel aus dem Büromanagement

Die Lernleicht GmbH produziert Werbebroschüren. Die variablen Kosten (Papier, Druck) betragen 2,00 Euro pro Stück. Die fixen Kosten (Maschinen, Miete) umgelegt auf die Normalbeschäftigung betragen 3,00 Euro pro Stück. Die Selbstkosten liegen also bei 5,00 Euro.
Ein Großkunde droht, zur Konkurrenz zu wechseln, wenn er die Broschüren nicht für 2,50 Euro bekommt.
Analyse: Der Preis von 2,50 Euro liegt unter der langfristigen Preisuntergrenze (5,00 €), aber über der kurzfristigen Preisuntergrenze (2,00 €). Der Deckungsbeitrag beträgt 0,50 Euro. Die Lernleicht GmbH sollte den Auftrag kurzfristig annehmen, um den Kunden zu halten und zumindest 0,50 Euro pro Stück zur Deckung der Fixkosten beizutragen. Langfristig muss der Preis aber wieder auf über 5,00 Euro steigen.

Prüfungsrelevanz für die IHK-Abschlussprüfung

Das Thema Preisuntergrenzen ist ein Klassiker in den handlungsorientierten Aufgaben der IHK. Oft wird ein Szenario geschildert (wie das obige), und du musst begründen, ob ein Auftrag angenommen werden soll oder nicht. Wichtig: Verwende in deiner Begründung immer die Fachbegriffe "kurzfristige Preisuntergrenze", "variable Kosten" und "Deckungsbeitrag". Ein reines "Ja, weil es Geld bringt" gibt keine Punkte. Du musst argumentieren, dass der positive Deckungsbeitrag hilft, den Fixkostenblock abzubauen.

Verwandte Begriffe

Teilkostenrechnung, Deckungsbeitrag, Fixkosten, Variable Kosten, Zusatzauftrag, Dumpingpreis.

Passender Kurs

Lernfeld 10 des Rahmenlehrplans Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement. Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern.

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Quiz: Preisuntergrenze (Leicht)

Leicht

5 Fragen

Quiz: Preisuntergrenze (Mittel)

Mittel

5 Fragen

Quiz: Preisuntergrenze (Schwer)

Schwer

5 Fragen