Bestellpunktverfahren
Ein verbrauchsgesteuertes Bestellverfahren, bei dem eine Bestellung ausgelöst wird, sobald der Lagerbestand einen definierten Meldebestand erreicht.
1. Systematische Einordnung
Das Bestellpunktverfahren (engl. reorder point system) ist ein stochastisches, verbrauchsgesteuertes Dispositionsverfahren in der Materialwirtschaft. Die Bestellinitiierung erfolgt ereignisorientiert durch das Erreichen einer vordefinierten Bestandshöhe.
2. Steuerungsgrößen und Formeln
- Sicherheitsbestand (Mindestbestand): Dient der Abdeckung von Unsicherheiten in der Wiederbeschaffungszeit und im Verbrauch. Seine Höhe beeinflusst das Servicelevel.
- Meldebestand (R): Der Punkt, an dem der Bestellvorgang ausgelöst wird.
- Formel:
R = (Ø-Verbrauch pro Zeiteinheit × Wiederbeschaffungszeit) + Sicherheitsbestand
- Formel:
- Bestellmenge (q): Die Menge, die bei Auslösung bestellt wird. Sie ist in der Regel fix (konstante Bestellmenge, oft als optimale Bestellmenge nach Andler berechnet).
- Höchstbestand: Maximaler Lagerbestand nach Wareneingang.
- Formel:
Höchstbestand = Sicherheitsbestand + Bestellmenge (q)
- Formel:
3. Charakteristika und Anwendungsbereiche
- Bestandsüberwachung: Permanent (perpetuell) erforderlich. Dies wird heute durch Warenwirtschafts- oder ERP-Systeme realisiert.
- Anwendung: Primär für A- und B-Güter mit schwankendem, stochastischem Verbrauch, bei denen eine hohe Lieferbereitschaft bei gleichzeitig optimierten Beständen gefordert ist.
- Vorteile:
- Niedrigere durchschnittliche Lagerbestände als bei terminorientierten Verfahren.
- Hohe Reaktionsfähigkeit auf Verbrauchsschwankungen.
- Optimierung der Kapitalbindung.
- Nachteile:
- Hoher Kontroll- und Steuerungsaufwand (IT-System erforderlich).
- Keine Möglichkeit zur Bündelung von Bestellungen verschiedener Artikel bei einem Lieferanten zu festen Terminen.
4. Varianten
- (s,q)-Politik: Standard-Bestellpunktverfahren. Bei Erreichen von Meldebestand s wird die fixe Menge q bestellt.
- (s,S)-Politik: Bestellpunkt-Losgrößen-Politik. Bei Erreichen von Meldebestand s wird auf den Sollbestand S aufgefüllt. Die Bestellmenge ist hier variabel (S - aktueller Bestand).
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