FIFO-Prinzip
Ein Verbrauchsfolgeverfahren (First-In, First-Out), bei dem angenommen wird, dass die zuerst gelagerten Waren auch zuerst wieder verbraucht oder verkauft werden.
Definition und Grundgedanke
Das FIFO-Prinzip ist eine Abkürzung für „First-In, First-Out“. Es beschreibt eine Methode der Lagerhaltung und -bewertung, die auf der Annahme basiert, dass die zuerst eingetroffenen Vermögensgegenstände (Waren, Vorräte) das Unternehmen auch als Erste wieder verlassen. Man kann es sich wie eine Warteschlange vorstellen: Wer zuerst kommt, wird auch zuerst bedient. Dieses Prinzip wird sowohl für die physische Organisation des Lagers als auch für die buchhalterische Bewertung der Vorräte am Ende eines Geschäftsjahres verwendet.
Anwendung in der physischen Lagerhaltung
In der Praxis wird das FIFO-Prinzip vor allem bei Produkten angewendet, die altern, ein Verfallsdatum haben oder technologisch überholt werden können. Ziel ist es, Ladenhüter und Wertverluste durch Überalterung zu vermeiden.
- Beispiel Lebensmittel: In einem Supermarkt werden neue Milchpackungen immer hinten ins Regal gestellt, damit die Kunden die älteren Packungen von vorne nehmen.
- Beispiel Lernleicht GmbH: Druckerpatronen haben zwar ein langes, aber dennoch ein Verfallsdatum. Neue Lieferungen von der TechOffice Systems KG werden daher hinter die bereits vorhandenen Patronen sortiert. So wird sichergestellt, dass die ältesten Bestände zuerst verkauft werden.
Um das FIFO-Prinzip physisch umzusetzen, eignen sich bestimmte Lagersysteme besonders gut, wie zum Beispiel Durchlaufregale. Hier wird die Ware auf einer Seite aufgefüllt und rollt auf einer geneigten Bahn zur anderen Seite, wo sie entnommen wird.
Anwendung in der Buchhaltung (Bewertung)
Das FIFO-Prinzip ist auch ein vom Handelsgesetzbuch (HGB) zugelassenes Bewertungsvereinfachungsverfahren. Bei der Inventur wird der Endbestand an Vorräten bewertet. Wenn im Laufe des Jahres Waren zu unterschiedlichen Preisen eingekauft wurden, stellt sich die Frage, mit welchem Preis der Restbestand bewertet werden soll. Nach FIFO wird unterstellt, dass die am Ende des Jahres noch im Lager befindlichen Artikel diejenigen sind, die zuletzt und somit zu den aktuellsten Preisen eingekauft wurden. Die früher eingekauften, oft günstigeren (oder teureren) Artikel gelten als bereits verkauft.
Beispiel: Die Lernleicht GmbH kauft Papier:
- Januar: 100 Pakete zu 3,00 €/Stück
- März: 100 Pakete zu 3,20 €/Stück
Am Jahresende sind noch 50 Pakete im Lager. Nach dem FIFO-Prinzip wird angenommen, dass dies die 50 zuletzt gekauften Pakete sind. Der Wert im Inventar beträgt also: 50 Stück * 3,20 € = 160,00 €.
Abgrenzung zu anderen Verfahren
- LIFO (Last-In, First-Out): Das Gegenteil. Es wird angenommen, dass die zuletzt gelieferten Waren zuerst verbraucht werden.
- FEFO (First-Expired, First-Out): Eine Verschärfung von FIFO. Nicht das Eingangsdatum, sondern das Verfallsdatum ist entscheidend.
Prüfungsrelevanz
Das FIFO-Prinzip ist ein absoluter Klassiker in der IHK-Prüfung. Kandidaten müssen das Prinzip erklären, es von LIFO abgrenzen und in Rechenaufgaben zur Lagerbewertung anwenden können. Es ist wichtig zu verstehen, dass FIFO sowohl ein physisches Lagerprinzip als auch ein buchhalterisches Bewertungsverfahren sein kann, was nicht immer übereinstimmen muss (z.B. kann man physisch FIFO anwenden, aber buchhalterisch mit Durchschnittswerten bewerten).
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