Lagerkennzahlen
Betriebswirtschaftliche Kennzahlen zur Messung, Steuerung und Kontrolle der Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Lagerhaltung.
Definition und Bedeutung
Lagerkennzahlen sind Key Performance Indicators (KPIs), die verwendet werden, um die Leistung und Effizienz eines Lagers zu analysieren und zu bewerten. Sie helfen dem Management von Unternehmen wie der Lernleicht GmbH, fundierte Entscheidungen zu treffen, um Kosten zu senken, die Kapitalbindung zu reduzieren und die Lieferbereitschaft zu optimieren. Diese Kennzahlen verdichten komplexe Informationen aus der Lagerhaltung in aussagekräftige Zahlen und ermöglichen so einen schnellen Überblick und den Vergleich über verschiedene Zeiträume.
Die wichtigsten Lagerkennzahlen im Detail
Im kaufmännischen Bereich sind vor allem die folgenden Kennzahlen von zentraler Bedeutung:
- Durchschnittlicher Lagerbestand: Gibt an, welcher Wert oder welche Menge an Vorräten sich durchschnittlich im Lager befand. Eine hohe Kennzahl deutet auf hohe Lager- und Kapitalkosten hin.
Formel (vereinfacht): (Anfangsbestand + Endbestand) / 2
Formel (genauer): (Anfangsbestand + 12 Monatsendbestände) / 13 - Umschlagshäufigkeit: Zeigt, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand innerhalb einer Periode (meist ein Jahr) komplett verkauft und erneuert wurde. Eine hohe Umschlagshäufigkeit ist erstrebenswert, da sie auf einen schnellen Warenabsatz und geringe Kapitalbindung hindeutet.
Formel: Wareneinsatz / Ø Lagerbestand (wertmäßig) - Durchschnittliche Lagerdauer: Gibt die durchschnittliche Verweildauer eines Artikels im Lager in Tagen an. Eine kurze Lagerdauer ist das Ziel, da sie geringere Lagerkosten, weniger gebundenes Kapital und ein niedrigeres Risiko der Veralterung von Waren bedeutet.
Formel: 360 Tage / Umschlagshäufigkeit - Lagerzinssatz: Beziffert die Kosten des im durchschnittlichen Lagerbestand gebundenen Kapitals in Prozent. Er zeigt, wie viel Zinsen das Unternehmen entgehen, weil das Geld in Waren „investiert“ ist und nicht z.B. auf einem Bankkonto liegt.
Formel: (Marktüblicher Jahreszinssatz * Ø Lagerdauer) / 360
Praxisbeispiel bei der Lernleicht GmbH
Herr Schmidt, der Einkaufsleiter, analysiert die Kennzahlen für einen bestimmten Bürostuhl. Er stellt fest, dass die Umschlagshäufigkeit nur bei 1,5 liegt. Die durchschnittliche Lagerdauer beträgt somit 240 Tage (360 / 1,5). Das bedeutet, ein Stuhl liegt im Schnitt fast acht Monate im Lager, bevor er verkauft wird. Dies bindet unnötig Kapital und Lagerplatz. Als Konsequenz entscheidet er, diesen Stuhl nur noch auf direkte Kundenbestellung zu beschaffen (Just-in-Time) und nicht mehr auf Vorrat zu lagern.
Prüfungsrelevanz
Lagerkennzahlen sind ein Kernbestandteil der IHK-Prüfung im Bereich „Warenwirtschaft und Beschaffung“. Prüflinge müssen nicht nur die Formeln sicher beherrschen und Berechnungen durchführen können, sondern auch die Ergebnisse interpretieren. Typische Aufgabenstellungen verlangen, aus den berechneten Kennzahlen Handlungsempfehlungen für das Unternehmen abzuleiten (z.B. „Was bedeutet eine sinkende Umschlagshäufigkeit und was sollte das Unternehmen tun?“). Das Verständnis für die wirtschaftlichen Zusammenhänge (z.B. hohe Lagerdauer = hohe Kapitalbindung) ist entscheidend.
Passender Kurs
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