Zuschlagskalkulation

Ein Verfahren der Kostenrechnung, um durch Aufschlag von Gemeinkosten auf die Einzelkosten die Selbstkosten eines Produktes zu ermitteln.

Definition

Die Zuschlagskalkulation ist ein zentrales Verfahren der Kostenträgerrechnung, insbesondere in Unternehmen mit heterogener Produktpalette oder Auftragsfertigung. Ihr Ziel ist es, die Selbstkosten eines Kostenträgers (Produkt, Auftrag) zu ermitteln. Dies geschieht, indem den direkt zurechenbaren Einzelkosten die anteiligen Gemeinkosten zugeschlagen werden. Die Gemeinkosten werden dabei als prozentuale Zuschläge auf die Einzelkosten verrechnet. Die dafür notwendigen Zuschlagssätze werden zuvor in der Kostenstellenrechnung (mittels BAB) ermittelt.

Erklärung im Kontext Büromanagement

Für die Lernleicht GmbH ist die Zuschlagskalkulation das tägliche Werkzeug, um Angebote zu erstellen und Verkaufspreise festzulegen. Wenn Laura Müller und Herr Schmidt den Preis für die 200 Bürostühle für die MusterBau AG berechnen, wenden sie genau dieses Verfahren an. Sie nehmen die Materialeinzelkosten (den Einkaufspreis der Stühle) als Basis. Darauf schlagen sie den Materialgemeinkostenzuschlag auf, um die Kosten für Lager, Einkaufspersonal etc. abzudecken. Da es sich um Handelsware handelt, entfallen meist die Fertigungskosten. Anschließend werden die Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschläge addiert, um auch die Kosten für Buchhaltung, Geschäftsführung, Marketing und Vertrieb zu berücksichtigen. Das Ergebnis sind die Selbstkosten – der Preis, der alle Kosten des Unternehmens für dieses Produkt abdeckt.

Praxisbeispiel bei der Lernleicht GmbH

Ein Kunde fragt einen speziellen Aktenschrank an, den die Lernleicht GmbH für 300 € (MEK) einkaufen muss. Die Zuschlagssätze aus dem BAB lauten: MGK 10%, VwGK 15%, VtGK 20%. Die Kalkulation sieht wie folgt aus:

  1. Materialeinzelkosten: 300,00 €
  2. + Materialgemeinkosten (10%): 30,00 €
  3. = Materialkosten / Herstellkosten: 330,00 €
  4. + Verwaltungsgemeinkosten (15%): 49,50 €
  5. + Vertriebsgemeinkosten (20%): 66,00 €
  6. = Selbstkosten: 445,50 €
Der Schrank kostet das Unternehmen also 445,50 €. Auf dieser Basis wird nun der Verkaufspreis durch Hinzurechnung von Gewinn, Skonto und Rabatt ermittelt.

Prüfungsrelevanz

Die Zuschlagskalkulation ist eines der wichtigsten und am häufigsten geprüften Themen im Bereich Rechnungswesen/Controlling für Kaufleute für Büromanagement. Das Kalkulationsschema muss absolut sicher beherrscht werden – sowohl in der Vorwärtskalkulation (vom Einkaufspreis zum Verkaufspreis) als auch in der Rückwärtskalkulation (vom gegebenen Marktpreis zum maximalen Einkaufspreis). Besonderes Augenmerk sollte auf die korrekten Bezugsgrößen für die einzelnen Zuschlagssätze und die „Im-Hundert-Rechnung“ bei Skonto und Rabatt gelegt werden.

Verwandte Begriffe

  • Kostenträgerrechnung: Das Teilgebiet der KLR, in dem die Zuschlagskalkulation angewendet wird.
  • Selbstkosten: Das primäre Ergebnis der Zuschlagskalkulation.
  • Kalkulationsschema: Die schrittweise Abfolge der Rechenoperationen.
  • Divisionskalkulation: Ein einfacheres Kalkulationsverfahren, das nur bei Ein-Produkt-Unternehmen anwendbar ist.

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