Einstandspreis (Bezugspreis)
Der finale Preis einer Ware, der alle Kosten für die Beschaffung bis zum Eintreffen im eigenen Unternehmen umfasst. Er ist die Basis für die weitere Kalkulation.
Definition und Abgrenzung
Der Einstandspreis, synonym auch als Bezugspreis bezeichnet, ist der Wert, den ein Unternehmen für ein beschafftes Gut (Ware, Material) aufwenden muss, bis dieses am Bestimmungsort (z.B. im eigenen Lager) verfügbar ist. Er ist das zentrale Ergebnis der Bezugskalkulation und stellt die entscheidende Kennzahl für den quantitativen Angebotsvergleich dar. Der Einstandspreis ist nicht mit dem Listeneinkaufspreis oder dem Rechnungsbetrag zu verwechseln, da er zusätzlich alle Preisnachlässe und Nebenkosten der Beschaffung berücksichtigt.
Bestandteile des Einstandspreises
Der Einstandspreis setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die im Rahmen der Bezugskalkulation ermittelt werden:
- Bareinkaufspreis: Dies ist die Basis. Er ergibt sich aus dem Listeneinkaufspreis abzüglich aller möglichen Preisnachlässe wie Rabatte und Skonti. Es ist der Betrag, der netto an den Lieferanten gezahlt wird.
- + Bezugskosten: Hierbei handelt es sich um alle Kosten, die zusätzlich zum reinen Warenpreis anfallen, um die Ware in den eigenen Verfügungsbereich zu bringen. Diese Kosten erhöhen den Wert der beschafften Ware. Typische Bezugskosten sind:
- Transportkosten (Fracht)
- Verpackungskosten (sofern separat berechnet)
- Transportversicherungen
- Rollgeld (Kosten für den Transport vom Bahnhof/Hafen zum Unternehmen)
- Zölle und Einfuhrabgaben (bei Importen)
Die Formel lautet also: Einstandspreis = Bareinkaufspreis + Bezugskosten.
Bedeutung im Unternehmen
Der Einstandspreis hat eine hohe betriebswirtschaftliche Bedeutung in verschiedenen Unternehmensbereichen:
- Einkauf & Beschaffung: Er ist die maßgebliche Vergleichsgröße, um das wirtschaftlich günstigste Angebot zu identifizieren. Ein niedriger Einstandspreis trägt direkt zur Kostensenkung und Gewinnsteigerung bei.
- Rechnungswesen & Controlling: Der Einstandspreis ist der Aktivierungswert für die Bilanz. Das heißt, Waren im Lager werden mit ihrem Einstandspreis bewertet (§ 255 Abs. 1 HGB spricht hier von Anschaffungskosten). Bei Warenverkauf wird der Einstandspreis als Wareneinsatz verbucht.
- Vertrieb & Verkauf: Der Einstandspreis ist die absolute Preisuntergrenze. Er bildet die Grundlage für die Verkaufspreiskalkulation. Auf den Einstandspreis werden die internen Kosten (Handlungskosten), der Gewinnzuschlag und die Umsatzsteuer aufgeschlagen, um den Listenverkaufspreis zu ermitteln.
Praxisbeispiel im Büromanagement
Die Lernleicht GmbH kauft 100 Kartons Kopierpapier. Der Bareinkaufspreis nach Abzug von Rabatt und Skonto beträgt 250,00 €. Der Lieferant berechnet zusätzlich 30,00 € für die Lieferung per Spedition und 5,00 € für die Verpackung auf Paletten. Der Einstandspreis für die gesamte Lieferung beträgt somit 250,00 € + 30,00 € + 5,00 € = 285,00 €. Der Einstandspreis pro Karton beträgt 2,85 €. Dieser Wert wird in der Lagerbuchhaltung als Zugang verbucht und dient als Basis für die Kalkulation des Verkaufspreises pro Karton.
Prüfungsrelevanz
Das Verständnis des Begriffs Einstandspreis und seine korrekte Berechnung sind für die IHK-Prüfung unerlässlich. Prüflinge müssen wissen, welche Kosten addiert (Bezugskosten) und welche zuvor abgezogen werden (Nachlässe). In Prüfungsaufgaben ist oft nicht nur der Gesamt-Einstandspreis, sondern auch der Einstandspreis pro Stück oder pro Einheit (z.B. pro kg) zu berechnen, was einen zusätzlichen Rechenschritt erfordert.
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