Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK)
Eine grafische Modellierungssprache zur Darstellung von Geschäftsprozessen, die streng der Abfolge von Ereignis und Funktion folgt.
Definition und Aufbau
Die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) ist eine Methode zur grafischen Modellierung von Geschäftsprozessen. Sie wurde in den frühen 1990er Jahren an der Universität des Saarlandes im Rahmen eines Projekts mit SAP entwickelt und ist daher besonders im Umfeld von SAP-Systemen weit verbreitet. Der grundlegende Aufbau einer EPK ist durch eine strikte Abfolge von zwei Hauptelementen gekennzeichnet:
- Ereignis: Dargestellt als Sechseck. Ein Ereignis beschreibt einen eingetretenen, passiven Zustand, der eine Funktion auslöst oder das Ergebnis einer Funktion ist. Es beantwortet die Frage "Was ist passiert?". Beispiele: "Bestellung ist eingegangen", "Rechnung ist bezahlt", "Material ist verfügbar".
- Funktion: Dargestellt als abgerundetes Rechteck. Eine Funktion beschreibt eine aktive, zeitverbrauchende Tätigkeit oder Aufgabe, die ausgeführt wird, um einen Zustand zu ändern. Sie beantwortet die Frage "Was wird getan?". Beispiele: "Bestellung prüfen", "Rechnung erstellen", "Material bestellen".
Die goldene Regel der EPK-Modellierung lautet: Auf ein Ereignis folgt immer eine Funktion und auf eine Funktion folgt immer mindestens ein Ereignis. Ein Prozesspfad beginnt stets mit einem Startereignis und endet mit mindestens einem Endereignis.
Steuerung mit Konnektoren
Um Verzweigungen und Zusammenführungen im Prozessablauf darzustellen, verwendet die EPK logische Konnektoren (Operatoren), die als Kreise mit einem Symbol dargestellt werden:
- AND (∧): Eine UND-Verknüpfung. Bei einer Aufspaltung (Split) müssen alle nachfolgenden Pfade parallel durchlaufen werden. Bei einer Zusammenführung (Join) muss auf das Eintreffen aller eingehenden Pfade gewartet werden, bevor der Prozess fortgesetzt wird.
- OR (∨): Eine inklusive ODER-Verknüpfung. Bei einem Split können einer, mehrere oder alle nachfolgenden Pfade beschritten werden.
- XOR (X): Eine exklusive ODER-Verknüpfung. Bei einem Split darf genau einer der nachfolgenden Pfade ausgewählt werden. Dies ist die typische Darstellung für eine Entscheidung.
Kontext im Büromanagement
Obwohl BPMN 2.0 moderner ist, ist das Verständnis von EPKs für Kaufleute für Büromanagement immer noch relevant, insbesondere in Unternehmen, die SAP oder andere ERP-Systeme einsetzen, deren Prozessdokumentation oft auf EPKs basiert. Die Erstellung einer EPK zwingt zu einer sehr strukturierten und logisch sauberen Analyse eines Prozesses. Sie hilft dabei, alle möglichen Zustände und die daraus resultierenden Aktivitäten lückenlos zu erfassen.
Prüfungsrelevanz
In der IHK-Prüfung kann verlangt werden, einen einfachen Prozess als EPK zu skizzieren oder ein vorgegebenes EPK-Diagramm zu interpretieren. Häufige Fehlerquellen, die gerne geprüft werden, sind die Verletzung der Ereignis-Funktion-Regel oder die falsche Verwendung der Konnektoren (insbesondere die Verwechslung von OR und XOR). Es ist wichtig, die Symbole und die Logik sicher zu beherrschen.
Verwandte Begriffe
- BPMN 2.0
- Flussdiagramm
- Prozessmodellierung
- SAP
- Workflow-Management
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