Ergonomie
Die Wissenschaft von der Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Menschen, um Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu fördern.
Definition und Herkunft
Der Begriff Ergonomie leitet sich von den griechischen Wörtern ergon (Arbeit, Werk) und nomos (Gesetz, Regel) ab und bedeutet wörtlich „die Lehre von der menschlichen Arbeit“. Es ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die Erkenntnisse aus der Anatomie, Physiologie, Psychologie und den Ingenieurwissenschaften vereint. Das zentrale Leitprinzip der Ergonomie lautet: Die Arbeit soll an den Menschen angepasst werden, nicht der Mensch an die Arbeit.
Ziele der Ergonomie
Die Anwendung ergonomischer Prinzipien verfolgt mehrere Hauptziele:
- Gesundheitsschutz (Prävention): Das wichtigste Ziel ist die Vermeidung von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und Berufskrankheiten. Dazu gehören Muskel-Skelett-Erkrankungen (z.B. Rückenschmerzen, Sehnenscheidenentzündungen), aber auch stressbedingte psychische Belastungen.
- Effizienz und Leistung: Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz ermöglicht ermüdungsfreies und störungsfreies Arbeiten. Dies führt zu einer höheren Konzentration, weniger Fehlern und somit zu einer Steigerung der Produktivität und Arbeitsqualität.
- Sicherheit: Durch eine logische und sichere Anordnung von Arbeitsmitteln und eine klare Gestaltung von Informationen (z.B. auf Bildschirmen) werden Unfälle und Fehlbedienungen vermieden.
- Humanisierung der Arbeit: Die Arbeit soll menschengerecht gestaltet sein, die Fähigkeiten des Einzelnen fördern und seine Gesundheit langfristig erhalten. Dies trägt maßgeblich zur Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation bei.
Kontext im Büromanagement
Für Kaufleute für Büromanagement ist Ergonomie von herausragender Bedeutung, da sie einen Großteil ihrer Arbeitszeit an einem Bildschirmarbeitsplatz verbringen. Die korrekte Einrichtung dieses Arbeitsplatzes ist entscheidend. Dies umfasst:
- Physische Ergonomie (Verhältnisergonomie): Die Anpassung der Abmessungen von Bürostuhl, Schreibtisch und der Position von Monitor und Tastatur an die Körpermaße des Nutzers.
- Umgebungsergonomie: Die Gestaltung der Arbeitsumgebung, insbesondere Beleuchtung (mind. 500 Lux), Raumklima (mind. 20°C) und Lärm (max. 55 dB(A)).
- Software-Ergonomie (Kognitive Ergonomie): Die benutzerfreundliche Gestaltung der am Computer verwendeten Software gemäß DIN EN ISO 9241. Die Software sollte aufgabenangemessen, selbsterklärend und steuerbar sein.
- Organisationsergonomie: Die Gestaltung der Arbeitsabläufe, z.B. durch die Implementierung von Pausenregelungen und die Möglichkeit zum Tätigkeitswechsel, um monotone Belastungen zu vermeiden.
Praxisbeispiel bei der Lernleicht GmbH
Die Auszubildende Laura Müller klagt über Nackenschmerzen. Ihr Ausbilder, Herr Schmidt, führt mit ihr eine ergonomische Einrichtung ihres Arbeitsplatzes durch. Sie stellen gemeinsam den Bürostuhl auf ihre Körpergröße ein, passen die Höhe des Schreibtisches an, positionieren den Monitor im korrekten Abstand und in der richtigen Höhe und achten auf eine blendfreie Aufstellung zum Fenster. Herr Schmidt erklärt ihr auch die Wichtigkeit von regelmäßigen Pausen und Bewegung. Dies ist ein praktisches Beispiel für angewandte Ergonomie zur direkten Gesundheitsförderung.
Prüfungsrelevanz
In der IHK-Abschlussprüfung ist Ergonomie ein sehr relevantes Thema, insbesondere im Lernfeld 2. Prüfungsfragen beziehen sich häufig auf:
- Konkrete Werte aus den ASR (Temperatur, Beleuchtungsstärke).
- Die korrekte Einstellungsreihenfolge eines Bildschirmarbeitsplatzes.
- Rechtliche Grundlagen (ArbSchG, ArbStättV).
- Die Unterscheidung zwischen physischen und psychischen Belastungen.
Verwandte Begriffe: Arbeitsschutz, Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Gefährdungsbeurteilung, Arbeitssicherheit, Humanisierung der Arbeit.
Passender Kurs
Lernfeld 2 des Rahmenlehrplans Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement. Büroprozesse gestalten und Arbeitsvorgänge organisieren.
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