Innenfinanzierung

Kapitalbeschaffung aus unternehmensinternen Quellen, ohne dass Mittel von außen zufließen.

Definition

Die Innenfinanzierung umfasst alle Finanzierungsvorgänge, bei denen dem Unternehmen Kapital aus eigener Kraft, also aus dem internen betrieblichen Umsatzprozess, zufließt. Es werden keine neuen Finanzmittel von externen Kapitalgebern wie Banken oder Gesellschaftern aufgenommen. Dies stärkt die Unabhängigkeit des Unternehmens und vermeidet Kosten, die mit der Kapitalaufnahme von außen verbunden sind (z.B. Bankgebühren, Notarkosten).

Formen der Innenfinanzierung

Man unterscheidet hauptsächlich vier Formen, die sich wiederum der Eigen- oder Fremdfinanzierung zuordnen lassen:

  • Selbstfinanzierung (Eigenfinanzierung): Hierbei werden erwirtschaftete Gewinne nicht an die Eigentümer ausgeschüttet, sondern im Unternehmen einbehalten (thesauriert). Bei der offenen Selbstfinanzierung geschieht dies transparent durch die Bildung von Gewinnrücklagen in der Bilanz. Die stille Selbstfinanzierung erfolgt durch die Bildung stiller Reserven, z.B. durch Unterbewertung von Vermögen.
  • Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten (Fremdfinanzierung): Abschreibungen auf das Anlagevermögen sind buchhalterischer Aufwand, aber keine tatsächliche Auszahlung. Die Beträge, die über die Verkaufspreise der Produkte verdient werden, um diesen Wertverlust auszugleichen, stehen dem Unternehmen als liquide Mittel zur Verfügung, bis eine Ersatzinvestition getätigt wird. Dieser Mechanismus wird auch als Lohmann-Ruchti-Effekt bezeichnet.
  • Finanzierung aus Rückstellungen (Fremdfinanzierung): Unternehmen bilden Rückstellungen für zukünftige, ungewisse Verbindlichkeiten (z.B. Pensionen, Steuernachzahlungen). Diese mindern als Aufwand den Gewinn, das Geld fließt aber erst bei Eintritt des Ereignisses ab. In der Zwischenzeit kann das Unternehmen mit diesen Mitteln zinslos wirtschaften.
  • Finanzierung aus Vermögensumschichtung: Dies geschieht durch den Verkauf von nicht mehr betriebsnotwendigem Vermögen (z.B. eine alte Maschine, ein ungenutztes Grundstück). Der Verkaufserlös wird in liquide Mittel umgewandelt und kann für neue Investitionen genutzt werden.

Bedeutung im Büromanagement

Im Büromanagement ist das Verständnis der Innenfinanzierung wichtig, um die finanzielle Stabilität des Unternehmens beurteilen zu können. Eine hohe Innenfinanzierungskraft zeigt, dass das Unternehmen profitabel arbeitet und in der Lage ist, Wachstum und Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen. Bei der Planung von Budgets oder der Vorbereitung von Investitionsentscheidungen (z.B. Anschaffung neuer Büroausstattung) ist es entscheidend zu wissen, welche internen Finanzierungsquellen zur Verfügung stehen, bevor externe, teurere Optionen in Betracht gezogen werden.

Prüfungsrelevanz

In der IHK-Abschlussprüfung ist die Abgrenzung der Innen- zur Außenfinanzierung ein Kernthema. Kandidaten müssen die verschiedenen Arten der Innenfinanzierung benennen, erklären und voneinander abgrenzen können. Besonders der Lohmann-Ruchti-Effekt und die Finanzierung aus Rückstellungen sind beliebte Prüfungsinhalte, da sie ein tieferes Verständnis der buchhalterischen Zusammenhänge erfordern.

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