Lean Management
Eine Management-Philosophie, die darauf abzielt, Prozesse zu optimieren, indem jegliche Art von Verschwendung (Muda) eliminiert und der Wert für den Kunden maximiert wird.
Definition und Kernidee
Lean Management (deutsch: Schlankes Management) ist eine ganzheitliche Unternehmensphilosophie und ein Methodenset, das ursprünglich aus dem Toyota-Produktionssystem (TPS) stammt. Das übergeordnete Ziel ist es, eine Organisation zu schaffen, die mit minimalem Aufwand den maximalen Wert für den Kunden erzeugt. Der Kerngedanke besteht darin, alle Aktivitäten, die Ressourcen verbrauchen, aber keinen Wert für den Kunden schaffen, systematisch zu identifizieren und zu eliminieren. Diese nicht-wertschöpfenden Tätigkeiten werden als Verschwendung (japanisch: Muda) bezeichnet.
Die zwei Säulen des Lean Managements
Das Konzept stützt sich auf zwei wesentliche Säulen:
- Kontinuierliche Verbesserung (Kaizen/KVP): Die ständige Suche nach Perfektion durch kleine, stetige Verbesserungen, die von allen Mitarbeitern getragen werden.
- Respekt vor dem Menschen: Die Anerkennung, dass die Mitarbeiter das wertvollste Gut sind. Sie werden befähigt und ermutigt, ihre Prozesse selbst zu gestalten und zu verbessern.
Die 7 Arten der Verschwendung (Muda)
Taiichi Ohno, einer der Väter des Toyota-Produktionssystems, identifizierte sieben Hauptarten der Verschwendung, die es zu vermeiden gilt. Diese lassen sich auch hervorragend auf Büro- und Verwaltungsprozesse übertragen:
- Transport: Unnötiges Bewegen von Dokumenten (physisch oder digital), Materialien oder Informationen. Jede Übergabe ist eine potenzielle Fehlerquelle und kostet Zeit.
- Bestände (Inventory): Zu hohe Bestände an Büromaterial, unfertige Anträge, ein übervoller E-Mail-Posteingang. All dies bindet Kapital und Platz und verschleiert Probleme.
- Bewegung (Motion): Unnötige Bewegungen der Mitarbeiter, z.B. der Gang zum weit entfernten Drucker, das Suchen nach Dateien in einer unlogischen Ordnerstruktur.
- Warten (Waiting): Warten auf Freigaben, auf Informationen von Kollegen, auf eine langsame Software. Während des Wartens findet keine Wertschöpfung statt.
- Überproduktion (Over-production): Mehr Informationen oder Dokumente erstellen als benötigt, z.B. Berichte, die niemand liest, oder E-Mails an zu viele Empfänger.
- Falsche Prozesse/Technologie (Over-processing): Prozesse, die komplizierter sind als nötig. Beispiele sind überflüssige Genehmigungsschleifen, zu detaillierte Formulare für einfache Vorgänge oder die Nutzung einer komplexen Software für eine simple Aufgabe.
- Fehler/Ausschuss (Defects): Fehlerhafte Dateneingabe, falsche Rechnungen, Tippfehler in Angeboten. Jeder Fehler erfordert Nacharbeit, was pure Verschwendung ist und den Kunden verärgern kann.
Praxisbeispiel bei der Lernleicht GmbH
In der Marketingabteilung der Lernleicht GmbH werden neue Produktbroschüren erstellt. Der alte Prozess war voller Verschwendung: Die Texterin wartete auf Bilder vom Fotografen (Warten). Die fertigen Entwürfe wurden ausgedruckt und zur Freigabe durch drei Abteilungen getragen (Transport). Oft wurden zu viele Exemplare gedruckt, die später veraltet im Lager landeten (Überproduktion). Im Rahmen eines Lean-Projekts wurde der Prozess umgestellt: Ein zentrales digitales System (Kanban-Board) steuert den Prozess. Freigaben erfolgen digital. Gedruckt wird nur noch bei Bedarf (Print-on-Demand). Dadurch wurde der Prozess um 50% beschleunigt und die Druckkosten um 30% gesenkt.
Prüfungsrelevanz
Lean Management ist ein wichtiges Thema für die Abschlussprüfung. Kandidaten sollten die Philosophie verstehen und insbesondere die 7 Arten der Verschwendung (Muda) aufzählen und an konkreten Beispielen aus dem Büromanagement erläutern können. Die Eselsbrücke TIMWOOD (Transport, Inventory, Motion, Waiting, Over-production, Over-processing, Defects) ist hierbei sehr hilfreich.
Passender Kurs
Lernfeld 11 des Rahmenlehrplans Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement. Geschäftsprozesse darstellen und optimieren.
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