Assessment Center (AC)
Ein standardisiertes Personalauswahlverfahren, bei dem Bewerber über einen oder mehrere Tage von geschulten Beobachtern in verschiedenen praxisnahen Übungen bewertet werden.
Definition und Ziel
Ein Assessment Center (AC), zu Deutsch "Beurteilungszentrum", ist ein systematisches und multimodales Verfahren der Personalauswahl und/oder Potenzialanalyse. Mehrere Kandidaten werden gleichzeitig von mehreren geschulten Beobachtern (Assessoren) in einer Reihe von standardisierten Übungen beobachtet und bewertet. Das Hauptziel ist es, eine fundierte Aussage über die Eignung eines Bewerbers für eine bestimmte Position zu treffen, indem sein Verhalten in simulierten, aber berufsrelevanten Situationen analysiert wird. Es geht weniger um die Prüfung von Fachwissen, sondern primär um die Erfassung von überfachlichen Kompetenzen (Soft Skills).
Typische Übungen in einem Assessment Center
Die Auswahl der Übungen richtet sich nach dem Anforderungsprofil der zu besetzenden Stelle. Gängige Aufgaben sind:
- Postkorbübung: Hier müssen Kandidaten unter Zeitdruck eine Vielzahl von E-Mails, Notizen und Aufgaben sichten, priorisieren, delegieren und entscheiden. Geprüft werden Organisationsfähigkeit, Entscheidungsfreude und Stressresistenz.
- Gruppendiskussion: Eine Gruppe von Bewerbern diskutiert über ein vorgegebenes Thema oder Fallbeispiel, oft mit dem Ziel, eine gemeinsame Lösung zu finden. Beobachtet werden Teamfähigkeit, Kommunikationsverhalten, Durchsetzungsvermögen und Kompromissbereitschaft.
- Rollenspiel: In dieser Übung wird eine typische Gesprächssituation aus dem Berufsalltag simuliert, z.B. ein Mitarbeitergespräch, ein Kundengespräch oder ein Konfliktgespräch. Bewertet werden Empathie, Verhandlungsgeschick und Problemlösefähigkeit.
- Präsentation / Selbstpräsentation: Die Kandidaten müssen ein Thema oder sich selbst vor der Gruppe und den Beobachtern präsentieren. Hierbei werden rhetorische Fähigkeiten, strukturiertes Denken und Souveränität bewertet.
- Fallstudie (Case Study): Die Bewerber erhalten eine komplexe Problemstellung aus dem Unternehmenskontext und müssen diese analysieren und eine Lösung erarbeiten und präsentieren. Dies testet analytische Fähigkeiten und strategisches Denken.
Praxisbeispiel im Büromanagement
Die Lernleicht GmbH sucht neue Auszubildende zum Kaufmann/zur Kauffrau für Büromanagement. Da hier neben fachlichen Grundlagen vor allem Organisationstalent, Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke wichtig sind, entscheidet sich Herr Braun für ein eintägiges AC. Die Bewerber, darunter auch Emre Yilmaz, durchlaufen verschiedene Stationen: Eine Postkorbübung simuliert den stressigen Montagmorgen im Sekretariat. In einer Gruppendiskussion müssen die Bewerber gemeinsam ein kleines Firmenevent planen. In einem Rollenspiel führen sie ein Telefongespräch mit einem verärgerten Kunden. Die Beobachter (Herr Braun, Herr Schmidt und eine Kollegin aus dem Vertrieb) bewerten das Verhalten anhand eines vorab definierten Kriterienkatalogs.
Prüfungsrelevanz
Für die IHK-Prüfung ist es wichtig, das Konzept des Assessment Centers zu verstehen. Prüflinge sollten den Zweck eines ACs erklären können und typische Übungen mit den jeweils getesteten Kompetenzen verknüpfen können. Auch die Vor- und Nachteile (Vorteil: hohe Prognosegüte; Nachteil: sehr kosten- und zeitintensiv) sind prüfungsrelevant. Das AC ist ein Paradebeispiel für ein eignungsdiagnostisches Instrument zur Verbesserung der Auswahlentscheidungen.
Verwandte Begriffe
- Eignungsdiagnostik
- Anforderungsprofil
- Personalauswahl
- Kompetenzmodell
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